Fujitsu Limited (富士通株式会社, Fujitsū kabushiki gaisha) ist ein japanisches multinationales Unternehmen für Informations- und Kommunikationstechnologie, das 1935 gegründet wurde und seinen Hauptsitz in Kawasaki, Kanagawa, hat. Es ist der sechstgrößte IT-Dienstleister der Welt nach Jahresumsatz und der größte in Japan (Stand 2021). Fujitsus Hardware-Angebot umfasst Personal- und Enterprise-Computing-Produkte wie x86-, ARM- und Mainframe-kompatible Server sowie Datenspeicher, Telekommunikation und fortschrittliche Mikroelektronik. Das Unternehmen beschäftigt etwa 124.000 Mitarbeiter und betreut Kunden in über 50 Ländern und Regionen. Fujitsu ist an der Tokioter Börse und der Nagoya Stock Exchange notiert; die Tokioter Notierung ist Bestandteil der Indizes Nikkei 225 und TOPIX 100.
Fujitsu hat eine lange Geschichte im Computing – vom ersten japanischen Computer bis zu modernen Supercomputern – und ist ein bedeutender Akteur in der Künstliche-Intelligenz-Forschung sowie bei der Entwicklung von Supercomputern für KI-Workloads. Seine Supercomputer wie der Fugaku werden für KI-Training und Inferenz eingesetzt, und das Unternehmen kooperiert mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen, um KI-Technologien voranzutreiben.
Geschichte
1935 bis 2000
Fujitsu wurde am 20. Juni 1935 als Fuji Telecommunications Equipment Manufacturing gegründet, ein Spin-off der Fuji Electric Company, die wiederum ein Joint Venture zwischen Furukawa Electric und Siemens war. Es ist eines der ältesten noch operierenden IT-Unternehmen und älter als Hewlett-Packard. 1954 baute Fujitsu mit dem Mainframe FACOM 100 den ersten japanischen Computer, gefolgt vom transistorisierten FACOM 222 (1961) und der FACOM-230-Serie (1968), die als Computer der dritten Generation galt. Das Unternehmen produzierte außerdem Minicomputer, kleine Business-Computer, Server und Personal Computer wie die Modelle FM-8, FM-7 und FM-Towns.
1955 gründete Fujitsu den Fußballverein Kawasaki Frontale, der heute in der J. League spielt. 1967 änderte das Unternehmen seinen Namen offiziell in Fujitsu. 1971 unterzeichnete Fujitsu einen OEM-Vertrag mit dem kanadischen Unternehmen Consolidated Computers Limited, um das Dateneingabesystem Key-Edit zu vertreiben, was später zu Partnerschaften mit ICL und Gene Amdahl führte. 1986 gründeten Fujitsu und die Queen’s University Belfast das Softwareunternehmen Kainos. 1990 übernahm Fujitsu 80 % des britischen Unternehmens ICL für 1,29 Milliarden US-Dollar und brachte eine neue Mainframe-Serie auf den Markt, die damals die schnellste der Welt war. 1991 erwarb Fujitsu eine Mehrheitsbeteiligung an dem russischen Unternehmen KME-CS. 1992 kündigte Fujitsu ein Joint-Venture-Werk in Punjab, Indien, für Telefonvermittlungsanlagen an und stellte das weltweit erste 21-Zoll-Vollfarb-Plasmadisplay vor. 1993 gründete Fujitsu mit AMD das Flash-Speicher-Joint-Venture Spansion. Von 1989 bis 1997 baute Fujitsu die PC-Variante FM Towns und brachte 1993 die Spielkonsole FM Towns Marty heraus. 1997 übernahm Fujitsu die restlichen 58 % von Amdahl Corporation und erwarb einen 30-%-Anteil an GLOVIA International. 1999 fusionierten Fujitsu und Siemens ihre europäischen Computeraktivitäten zu Fujitsu Siemens Computers.
2000 bis 2024
Im April 2000 übernahm Fujitsu die restlichen 70 % von GLOVIA International. 2002 wurde ICL in Fujitsu umbenannt. 2004 verlor Fujitsu einen Sammelklage-Prozess wegen defekter Festplatten und erwarb die australische Tochtergesellschaft von Atos Origin. 2007 schloss Fujitsu einen Zehnjahresvertrag über 500 Millionen Pfund mit der Reuters Group zur Auslagerung deren IT-Abteilung und errichtete ein Offshore-Entwicklungszentrum in Noida, Indien. 2009 verkaufte Fujitsu sein Festplattengeschäft an Toshiba.
2010 führte Fujitsu den Supercomputer PRIMEHPC FX10 ein. 2011 entwickelte das Unternehmen den Supercomputer K Computer, der damals der schnellste der Welt war und eine Leistung von 10,51 Petaflops erreichte. 2014 brachte Fujitsu den PRIMEHPC FX100 auf den Markt. 2020 vollendete Fujitsu den Supercomputer Fugaku, der im Juni und November 2020 die TOP500-Liste anführte und eine Leistung von 442 Petaflops erzielte. Fugaku wird für KI-Forschung eingesetzt, einschließlich Anwendungen im maschinellen Lernen und Deep Learning.
Supercomputing und KI-Forschung
Fujitsu ist seit Jahrzehnten führend im Supercomputing, mit Systemen wie dem K Computer und dem Fugaku. Der Fugaku wurde gemeinsam mit RIKEN entwickelt und ist für ein breites Anwendungsspektrum ausgelegt, darunter KI, wissenschaftliche Simulationen und Big-Data-Analysen. Er wurde für die COVID-19-Forschung, Klimamodellierung und Wirkstoffforschung eingesetzt. Fujitsus Supercomputer sind für KI-Workloads optimiert und unterstützen das Training und die Inferenz neuronaler Netze.
Fujitsu entwickelt außerdem KI-Technologien wie generative KI und große Sprachmodelle. Das Unternehmen kooperiert mit Institutionen wie der Universität Tokio und dem AIST, um die KI-Forschung voranzutreiben. Die KI-Plattform von Fujitsu, Fujitsu Kozuchi, bietet Unternehmen KI-Dienste, darunter prädiktive Analytik und Verarbeitung natürlicher Sprache.
Produkte und Dienstleistungen
Fujitsu bietet ein breites Produktspektrum an, darunter Server (x86, ARM und mainframe-kompatibel), Speichersysteme und Netzwerkausrüstung. Zur Serverpalette gehören die PRIMERGY-Reihe für x86 und der FUJITSU Server PRIMEHPC für Hochleistungsrechnen. Fujitsu bietet außerdem IT-Dienstleistungen, Beratung und Systemintegration über seine globalen Lieferzentren an.
Im KI-Bereich liefert Fujitsu Hardware- und Softwarelösungen. Seine Supercomputer werden für KI-Training eingesetzt, und das Unternehmen bietet KI-Middleware und Frameworks an. Fujitsu hat außerdem KI-Chips entwickelt, wie den FUJITSU AI Processor, der für hocheffiziente Inferenz ausgelegt ist.
Globale Präsenz
Fujitsu ist in über 50 Ländern tätig und unterhält Tochtergesellschaften in Europa, Amerika, Asien und Ozeanien. Das Unternehmen betreibt Forschungs- und Entwicklungszentren in Japan, den USA, Europa und Asien. Über seine globalen Lieferzentren bietet Fujitsu IT-Dienstleistungen für Kunden weltweit an. Fujitsu ist ein bedeutender Akteur im japanischen IT-Markt und hat eine starke Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum.
Unternehmensführung und Finanzen
Fujitsu ist ein börsennotiertes Unternehmen an der Tokioter Börse und der Nagoya Stock Exchange und Bestandteil der Indizes Nikkei 225 und TOPIX 100. Im Geschäftsjahr 2023 betrug der Umsatz etwa 3,7 Billionen Yen, der Nettogewinn rund 200 Milliarden Yen. Zu den größten Aktionären gehören die Furukawa Electric Company und die Fujitsu Employees‘ Shareholding Association.
Forschung und Entwicklung
Fujitsu investiert stark in Forschung und Entwicklung, mit Schwerpunkten auf KI, Quantencomputing und fortschrittlichen Materialien. Das Unternehmen unterhält ein Forschungslabor in Kawasaki, Japan, und kooperiert weltweit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. Fujitsu ist Mitglied des RIKEN Center for Computational Science und pflegt Partnerschaften mit Institutionen wie der Universität Tokio und dem Massachusetts Institute of Technology.
Zukunftsausblick
Fujitsu erweitert kontinuierlich seine KI-Fähigkeiten und plant die Entwicklung von Supercomputern der nächsten Generation sowie KI-Chips. Das Unternehmen strebt bis 2040 Klimaneutralität an und entwickelt energieeffiziente Computing-Technologien. Fujitsu erforscht außerdem Quantencomputing und dessen Integration in KI-Anwendungen.