Mila – Quebec Artificial Intelligence Institute ist ein Forschungsinstitut in Montreal, Quebec, das sich auf maschinelles Lernen und Deep Learning spezialisiert hat. Das 1993 von Yoshua Bengio, einem Turing-Award-Preisträger und Pionier des Deep Learning, gegründete Mila ist zu einem der größten akademischen KI-Forschungszentren der Welt gewachsen. Bis 2022 umfasste es etwa 1.000 Studierende und Forschende sowie 100 Fakultätsmitglieder. Neben dem albertanischen Amii und dem Torontoner Vector Institute ist Mila eine tragende Säule der Pan-Kanadischen Strategie für Künstliche Intelligenz.
Geschichte
Mila ging aus dem Laboratoire d'informatique des systèmes adaptatifs (LISA) an der Université de Montréal hervor, das 1993 von Yoshua Bengio gegründet wurde. Das Institut hat seine Wurzeln zudem im Reasoning and Learning Lab (RL-Lab) an der McGill University, das 2001 eingerichtet und von den Professoren Prakash Panangaden, Doina Precup, Joëlle Pineau und Jackie Chi Kit Cheung mitgeleitet wurde. 2017 wurde Mila formal als Partnerschaft zwischen der Université de Montréal und der McGill University etabliert, mit der École Polytechnique de Montréal und der HEC Montréal als weiteren Partnern.
Im Dezember 2020 ging Mila eine Partnerschaft mit IBM ein, um die KI- und Maschinenlernforschung mithilfe von Open-Source-Technologie zu beschleunigen. Die Zusammenarbeit integrierte Milas Open-Source-Software Oríon in IBMs Watson Machine Learning Accelerator, ein Tool für Training und Inferenz von KI-Modellen, das Unternehmen angeboten wird.
Bekannte Forschende
Neben Yoshua Bengio umfasst die Fakultät von Mila Joëlle Pineau und Doina Precup, die beide im Bereich Reinforcement Learning und KI hervorgetreten sind. Zu den bekannten Alumni zählen Marc Bellemare (MSc 2007, RL-Lab), Hugo Larochelle (PhD 2009, LISA) und Ian Goodfellow (PhD 2014, LISA), der für die Erfindung der generativen adversarischen Netze bekannt ist.
Forschungsaktivitäten
Die Forschung bei Mila konzentriert sich weitgehend auf Deep Learning und Reinforcement Learning, deckt jedoch ein breites Themenspektrum ab. Zu den zentralen Bereichen gehören generative Modelle, Verarbeitung natürlicher Sprache, Meta-Lernen, Computer Vision und Reinforcement Learning. Mila erforscht zudem Anwendungen von KI im Bereich Klimawandel und COVID-19 sowie grundlegende Themen wie Künstliche Allgemeine Intelligenz, Superintelligenz, KI-Ausrichtung, AGI-Governance und Frontier-Modelle.
Das Institut ist bekannt für seine Beiträge zu Open-Source-Werkzeugen, darunter Theano, eines der frühesten Deep-Learning-Frameworks, sowie neuere Projekte wie Myia, ein Python-basiertes Deep-Learning-Framework, und Baby-AI, eine Plattform zur Simulation des Spracherwerbs durch menschliche Interaktion.
Vorstand
Die strategische Ausrichtung von Mila wird von einem Vorstand überwacht, dem Akademiker, Führungskräfte aus der Industrie und staatliche Beobachter angehören. Zu den Mitgliedern zählen Alexandre Le Bouthillier, Anne-Marie Hubert, Benoit Boulet, Caroline Aubé, Eugénie Brouillet, Frédéric Bouchard, Josée Morin, Magaly Charbonneau, Marie-Josée Hébert, Martha Crago, Mathieu Gervais, Pierre Boivin und Valerie Pisano. Yoshua Bengio fungiert als Beobachter und wissenschaftlicher Direktor.
Bildung und Industriekooperationen
Mila dient sowohl als Forschungs- als auch als Bildungseinrichtung und bietet Postdoktorandenstellen sowie Praktika an. Es schafft eine Forschungsumgebung für Studierende, die einen Master- oder Doktortitel im Bereich maschinelles Lernen anstreben. Das Institut unterhält zahlreiche Partnerschaften mit privaten Unternehmen und fördert so den Transfer wegweisender KI-Forschung in praktische Anwendungen.