Aus dem Englischen übersetzt

Margaret Boden (1936-2025) war eine britische Kognitionswissenschaftlerin und Forschungsprofessorin an der University of Sussex, bekannt für ihre interdisziplinäre Arbeit, die künstliche Intelligenz, Psychologie und Philosophie umspannt, insbesondere zu Kreativität und der Geschichte der Kognitionswissenschaft.

Margaret Ann Boden (26. November 1936 – 18. Juli 2025) war eine britische Akademikerin und eine führende Persönlichkeit im interdisziplinären Feld der Kognitionswissenschaft. Sie war Forschungsprofessorin für Kognitionswissenschaft am Institut für Informatik der University of Sussex, wo ihre Arbeit künstliche Intelligenz, Psychologie, Philosophie sowie Informatik und Kognitionswissenschaft verband. Boden ist vor allem für ihre einflussreichen Arbeiten zur Kreativität und ihren umfassenden historischen Überblick über das Fachgebiet bekannt, die dazu beitrugen, die intellektuellen Grundlagen der modernen KI-Forschung zu formen.

Ihre Karriere erstreckte sich über mehr als sechs Jahrzehnte, in denen sie zahlreiche Bücher und Artikel verfasste, die komplexe computerwissenschaftliche Ideen einem breiten Publikum zugänglich machten. Sie war eine prominente Verfechterin der Ansicht, dass computerwissenschaftliche Konzepte das Funktionieren des menschlichen Geistes erhellen könnten – eine Perspektive, die sowohl bahnbrechend als auch zeitweise umstritten war. Ihre Arbeiten zur Philosophie der KI und zur Kreativität bleiben ein Bezugspunkt für Forscher, die die Grenzen maschineller Intelligenz ausloten.

Frühe Jahre und Ausbildung

Boden wurde am 26. November 1936 in London geboren. Sie besuchte in den späten 1940er- und 1950er-Jahren die City of London School for Girls, wo sich ihr akademisches Talent früh zeigte. Anschließend studierte sie am Newnham College in Cambridge, wo sie in Medizinwissenschaften mit Auszeichnung abschloss. Sie absolvierte das Studium in zwei statt der üblichen drei Jahre und schloss 1958 mit der höchsten Punktzahl aller Naturwissenschaftsstudenten der Universität Cambridge ab.

1957, noch während ihres Studiums in Cambridge, begann Boden ein Studium der Geschichte der modernen Philosophie an der Cambridge Language Research Unit, die von Margaret Masterman geleitet wurde. Dieses zweite Studium schloss sie 1959 ab. Diese frühe Auseinandersetzung sowohl mit den Naturwissenschaften als auch mit der Philosophie legte den Grundstein für ihren späteren interdisziplinären Ansatz. Später nannte sie die Lektüre von „Plans and the Structure of Behavior“ von George A. Miller als prägend für ihre Erkenntnis, dass computerwissenschaftliche Ansätze auf die gesamte Psychologie anwendbar sein könnten – eine entscheidende Einsicht, die ihre Karriere lenkte.

Akademische Karriere

Boden begann ihre akademische Laufbahn 1959 als Dozentin für Philosophie an der University of Birmingham. Von 1962 bis 1964 war sie Harkness-Stipendiatin an der Harvard University, wo sie sich intensiv mit dem aufkommenden Feld der Kognitionswissenschaft auseinandersetzte. Nach einem Jahr zurück in Birmingham wechselte sie 1965 an die University of Sussex, wo sie eine Dozentur für Philosophie und Psychologie übernahm. 1968 wurde ihr von Harvard der Doktortitel in Sozialpsychologie mit Spezialisierung auf Kognitionswissenschaft verliehen.

In Sussex wurde Boden 1985 Dekanin der School of Social Sciences. Zwei Jahre später wurde sie Gründungsdekanin der School of Cognitive and Computing Sciences (COGS), die als Vorläuferin der späteren Abteilung für Informatik der Universität gilt. Ab 1997 hatte sie die Position der Forschungsprofessorin für Kognitionswissenschaft am Institut für Informatik inne, wo sie bis zu ihrem Tod tätig blieb. Ihre Führungsrolle war maßgeblich daran beteiligt, die Kognitionswissenschaft als eigenständige und anerkannte Disziplin im Vereinigten Königreich zu etablieren.

Beiträge zur KI- und Kreativitätsforschung

Bodens bedeutendste intellektuelle Beiträge liegen in ihrer Analyse der Kreativität und ihrer philosophischen Untersuchung der künstlichen Intelligenz. In ihrem wegweisenden Buch „The Creative Mind: Myths and Mechanisms“ (1990) schlug sie einen Rahmen zum Verständnis von Kreativität vor, der zwischen drei Typen unterscheidet: kombinatorische, explorative und transformationale Kreativität. Kombinatorische Kreativität bedeutet, ungewohnte Kombinationen vertrauter Ideen zu bilden; explorative Kreativität umfasst das Erzeugen neuer Strukturen innerhalb eines bestehenden konzeptuellen Raums; und transformationale Kreativität verändert den konzeptuellen Raum selbst, was zu fundamental neuen Ideen führt. Dieses Rahmenwerk wurde in der Kognitionswissenschaft und der KI-Forschung weithin übernommen.

Ihre Arbeit vertrat die Ansicht, dass computerwissenschaftliche Konzepte einen rigorosen Weg zum Verständnis der Mechanismen menschlicher Kreativität bieten könnten – eine Sichtweise, die damals nicht allgemein akzeptiert war. Sie untersuchte auch die philosophischen Implikationen der KI und stellte die Frage, was es für eine Maschine bedeuten würde, wirklich kreativ oder intelligent zu sein. Ihr Buch „AI: Its Nature and Future“ (2016) bot einen prägnanten Überblick über das Feld und behandelte sowohl dessen technische Errungenschaften als auch seine philosophischen Herausforderungen.

Wichtige Veröffentlichungen

Boden war eine äußerst produktive Autorin. Ihr erstes Buch, „Purposive Explanation in Psychology“ (1972), untersuchte die Rolle von Zweckmäßigkeit in der psychologischen Erklärung. Es folgte „Artificial Intelligence and Natural Man“ (1977), ein weit verbreitetes Lehrbuch, das vielen Lesern das Feld der KI näherbrachte. Sie schrieb außerdem „Piaget“ (1979), eine Studie über den Entwicklungspsychologen, und „Minds and Mechanisms“ (1981), eine Sammlung von Aufsätzen zur Philosophie der Psychologie.

Zu ihren späteren Werken gehören „Computer Models of Mind: Computational approaches in theoretical psychology“ (1988), „Artificial Intelligence in Psychology: Interdisciplinary Essays“ (1989) und „The Philosophy of Artificial Intelligence“ (1989), ein von ihr herausgegebener Sammelband. Sie gab auch „Dimensions of Creativity“ (1994) und „The Philosophy of Artificial Life“ (1996) heraus. Ihr Opus magnum, „Mind As Machine: a History of Cognitive Science“ (2006), war ein zweibändiges Werk, das die Entwicklung des Fachgebiets von seinen Anfängen bis zur Gegenwart nachzeichnete. Dieses Werk stieß auf Widerspruch von Noam Chomsky, der ihre historische Darstellung kritisierte. Für Oxford University Press schrieb sie außerdem „Artificial Intelligence: A Very Short Introduction“ (2018).

Ehrungen und Anerkennung

Boden erhielt im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Ehrungen. 2001 wurde sie zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt, in Anerkennung ihrer Verdienste um die Kognitionswissenschaft. Sie war Fellow der British Academy und amtierte von 1989 bis 1991 als deren Vizepräsidentin. Zudem war sie Mitglied der Academia Europaea sowie Fellow der American Association for Artificial Intelligence (AAAI) und der European Coordinating Committee for Artificial Intelligence (ECCAI). Sie war Life Fellow der Society for the Study of Artificial Intelligence and Simulation of Behaviour und Mitglied des Rates des Royal Institute of Philosophy.

2001 wurde ihr von der University of Sussex die Ehrendoktorwürde der Naturwissenschaften verliehen. Weitere Ehrendoktorwürden erhielt sie von der University of Bristol und der Open University. 2016 wurde sie mit dem Preis der International Society for Artificial Life (ISAL) für ihr Lebenswerk im Bereich des künstlichen Lebens ausgezeichnet. Ein jährlich von der Abteilung für Informatik der University of Sussex vergebenes Promotionsstipendium trägt ihren Namen.

Medien und öffentliches Engagement

Boden beteiligte sich regelmäßig an öffentlichen Diskussionen über KI. Im Oktober 2014 und Januar 2015 wurde sie von Jim Al-Khalili in der BBC-Radiosendung „The Life Scientific“ interviewt, wo sie über ihre Karriere und ihre Ansichten zur Zukunft der KI sprach. Im Februar 2017 nahm sie an einer von der British Academy organisierten Debatte über die Bereitschaft der Menschheit teil, romantische Beziehungen mit Robotern einzugehen – ein Thema, das ihr Interesse an den sozialen und ethischen Implikationen der KI widerspiegelte.

Persönliches Leben und Tod

Boden war von 1967 bis 1981 mit John Spiers verheiratet, einem Schriftsteller und Verleger. Das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter. Sie hatte eine Vorliebe für die Farbe Lila und verbrachte ihre Urlaube 30 Jahre lang auf den Cookinseln. Sie starb am 18. Juli 2025 in Brighton im Alter von 88 Jahren. Ihr Vermächtnis lebt durch ihr umfangreiches Werk und die vielen Forscher weiter, die sie beeinflusst hat.

Siehe auch

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