John D. Carmack II ist ein US-amerikanischer Computerprogrammierer und Videospielentwickler, der id Software mitgründete und dort als leitender Programmierer an einflussreichen Spielen der 1990er Jahre wie Commander Keen, Wolfenstein 3D, Doom und Quake beteiligt war. Er erzielte bedeutende Innovationen in der 3D-Computergrafik, darunter den Carmack's-Reverse-Algorithmus für Schattenvolumen. 2013 trat er Oculus VR als Chief Technology Officer bei, wurde später beratender CTO und verließ das Unternehmen schließlich, um sich mit seiner Firma Keen Technologies auf künstliche allgemeine Intelligenz zu konzentrieren.
Carmacks Arbeit hat das Genre der Ego-Shooter und die Computergrafik insgesamt geprägt, und seine späteren Ausflüge in virtuelle Realität (VR) und AGI haben ihn zu einer zentralen Figur der Technologie gemacht. Er ist bekannt für eine ausgeprägte Arbeitsmoral und dafür, dass er inkrementellen Fortschritt befürwortet - eine Philosophie, die er mit dem Gradientenabstieg im maschinellen Lernen vergleicht.
Frühes Leben und Ausbildung
Carmack wurde am 21. August 1970 in Shawnee Mission, Kansas, als Sohn von Stan Carmack, einem lokalen Fernsehnachrichtenreporter, geboren. Er wuchs im Großraum Kansas City auf, wo er früh ein Interesse an Computern entwickelte. Er besuchte die Shawnee Mission East High School in Prairie Village, Kansas, und später die Raytown South High School in Raytown, Missouri.
Als Kind wurde Carmack durch Arcade-Klassiker wie Space Invaders (1978) und Pac-Man (1980) an Videospiele herangeführt, die einen bleibenden Eindruck hinterließen. Er nannte den Nintendo-Designer Shigeru Miyamoto als den Spieleentwickler, den er am meisten bewunderte.
Im Alter von 14 Jahren brach Carmack mit anderen Kindern in eine Schule ein, um Apple-II-Computer zu stehlen. Er hatte eine klebrige Substanz aus Thermit und Vaseline hergestellt, um Fenster zu schmelzen, doch der Versuch schlug fehl, als ein Komplize ein Fenster öffnete und einen stillen Alarm auslöste. Carmack wurde verhaftet, zur psychiatrischen Untersuchung geschickt und zu einem Jahr in einer Jugendeinrichtung verurteilt. Später besuchte er zwei Semester lang die University of Missouri–Kansas City, bevor er sie verließ, um als freiberuflicher Programmierer zu arbeiten.
Frühe Karriere bei Softdisk und id Software
Carmacks berufliche Laufbahn begann bei Softdisk, einem Computerunternehmen in Shreveport, Louisiana, wo er an Softdisk G-S, einer Publikation für den Apple IIGS, arbeitete. Dort lernte er John Romero, Adrian Carmack (kein Verwandter) und andere zukünftige Mitglieder von id Software kennen. Softdisk wies dem Team später Gamer's Edge zu, ein kurzlebiges zweimonatliches Spielprodukt für den IBM PC (DOS). 1990, noch während seiner Zeit bei Softdisk, entwickelten Carmack und Romero das erste Commander-Keen-Spiel, das ab 1991 von Apogee Software als Shareware veröffentlicht wurde. Carmack verließ daraufhin Softdisk, um id Software mitzugründen.
Bei id Software war Carmack Pionier oder Popularisierer zahlreicher Computergrafiktechniken. Für Commander Keen entwickelte er adaptive Tile-Refresh. Für Spiele wie Hovertank 3D, Catacomb 3-D und Wolfenstein 3D verwendete er Raycasting. Doom war das erste Spiel, das binäre Raumzerlegung nutzte, und für Quake erfand er Surface Caching. Er entwickelte Carmack's Reverse (formal Z-Fail-Stencil-Schatten) für Doom 3 und entwickelte die MegaTexture-Technologie, die erstmals in Enemy Territory: Quake Wars eingesetzt wurde. Quake 3 popularisierte auch den Algorithmus der schnellen inversen Quadratwurzel. Seine Engines wurden für andere einflussreiche Ego-Shooter lizenziert, darunter Half-Life, Call of Duty und Medal of Honor: Allied Assault. 2005 entwickelte er sein erstes Mobilspiel, Doom RPG.
Oculus VR und virtuelle Realität
Am 7. August 2013 trat Carmack Oculus VR als CTO bei, und am 22. November 2013 verließ er id Software, um dort Vollzeit zu arbeiten. Sein Weggang war teilweise darauf zurückzuführen, dass id Softwares Muttergesellschaft ZeniMax Media den Oculus Rift nicht unterstützen wollte. Seine Doppelrolle wurde später zentral für eine ZeniMax-Klage gegen Oculus' Muttergesellschaft Meta (damals Facebook), die den Diebstahl von VR- geistigem Eigentum behauptete. Die Jury sprach Carmack von der Haftung frei, obwohl Oculus und andere Unternehmensverantwortliche wegen Marken-, Urheberrechts- und Vertragsverletzungen haftbar gemacht wurden.
Im Februar 2017 verklagte Carmack ZeniMax und behauptete, das Unternehmen weigere sich, die verbleibenden 22,5 Millionen Dollar aus dem Kauf von id Software zu zahlen. Im Oktober 2018 erklärte er, dass er und ZeniMax eine Einigung erzielt hätten und ZeniMax seine Verpflichtungen vollständig erfüllt habe, womit die Klage beendet wurde.
Übergang zur künstlichen Intelligenz
Am 13. November 2019 trat Carmack von der Rolle des Oculus-CTO zurück, um beratender CTO zu werden, was ihm mehr Zeit für die Arbeit an AGI einräumte. Am 19. August 2022 kündigte er an, 20 Millionen Dollar für Keen Technologies, sein neues AGI-Unternehmen, eingesammelt zu haben. Am 16. Dezember 2022 verließ er Oculus vollständig, um sich auf Keen zu konzentrieren. Im September 2023 ging er eine Partnerschaft mit dem Informatiker Richard S. Sutton vom Alberta Machine Intelligence Institute ein, um die KI-Forschung weiter voranzutreiben.
Carmacks Interesse an AGI steht im Einklang mit breiteren Entwicklungen in Bereichen wie künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Deep Learning. Er hat Ansichten über die Bedeutung kontinuierlicher inkrementeller Verbesserungen geäußert, die an Optimierungsmethoden wie SGD-Varianten und Lernratenpläne erinnern. Sein Ansatz zu AGI, obwohl nicht direkt mit spezifischen Technologien wie Transformer oder großen Sprachmodellen verbunden, spiegelt eine pragmatische, ingenieurgetriebene Perspektive wider.
Arbeitsstil und Philosophie
Carmack gibt an, während seiner gesamten Karriere eine 60-Stunden-Woche (10-Stunden-Tage, sechs Tage die Woche) eingehalten zu haben. Er betont die Bedeutung langer Phasen ununterbrochener Konzentration und erklärt, dass hohe Intensität den Fortschritt beschleunigt und dass lange Arbeitszeiten entscheidend sind, um über einen längeren Zeitraum eine fokussierte Denkweise aufrechtzuerhalten. Berichten zufolge hat er trotz dieses anspruchsvollen Zeitplans nie ein Burnout erlebt.
Er ist bekannt für einwöchige Programmier-Retreats, bei denen er sich in einer zufälligen Stadt und einem Hotel isoliert, um bestimmte Probleme zu lösen oder neue Fähigkeiten zu erlernen. Die Einsamkeit und körperliche Isolation bieten eine Umgebung für tiefe Konzentration und Reflexion, die er als wesentlich für seinen kreativen Prozess betrachtet.
Carmack äußerte sich lautstark über bürokratische Ineffizienzen bei Meta und schrieb in seinem Abschiedsmemo: "Wir haben eine lächerliche Menge an Menschen und Ressourcen, aber wir sabotieren uns ständig selbst und verschwenden Anstrengungen." Er vertritt auch eine Philosophie kleiner, inkrementeller Schritte als schnellsten Weg zur Innovation und zieht eine Analogie zur "Magie des Gradientenabstiegs" im maschinellen Lernen. Er hat gesagt: "Kleine winzige Schritte mit lokalen Informationen führen am Ende zu allen besten Antworten."
Armadillo Aerospace
Um das Jahr 2000 widmete sich Carmack der Raketentechnik, einem Hobby aus seiner Jugend, indem er Amateur-Ingenieure finanziell unterstützte. Er finanzierte das Unternehmen Armadillo Aerospace, das kostengünstige Raumfahrzeuge entwickeln wollte. Armadillo Aerospace nahm am Ansari X Prize und später an den NASA Centennial Challenges teil und erzielte 2009 bemerkenswerte Erfolge bei der Mondlandefahrzeug-Herausforderung. Das Unternehmen war bis etwa 2013 tätig, als Carmack seinen Fokus wieder auf Videospiele und VR verlagerte.
Vermächtnis und Einfluss
Carmacks Beiträge zu Computergrafik und Spiel-Engines waren grundlegend und haben ganze Generationen von Entwicklern beeinflusst. Seine Arbeit an 3D-Rendering, von Raycasting bis zu Deferred Shading und Schattenalgorithmen, wird noch heute in modernen Spielen und Simulationen verwendet. Seine Engines legten das Fundament für kompetitives Mehrspieler-Gaming und Modding-Communities.
In der breiteren Technologielandschaft hat Carmacks Wechsel zu VR und AGI ihn an der Spitze aufstrebender Felder gehalten. Sein Eintreten für praktische Ingenieursarbeit und schnelle Iteration findet Anklang in Communities wie OpenAI und Google DeepMind, obwohl er unabhängig bleibt. Seine Zusammenarbeit mit Richard Sutton, einem Pionier des Verstärkungslernens, signalisiert sein Engagement für die Weiterentwicklung der KI-Forschung.
Carmacks öffentliche Schriften und Vorträge haben technische Themen einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Seine jährlichen .plan-Updates und späteren öffentlichen Beiträge zu KI und Technologie haben eine Anhängerschaft. Er bleibt eine einflussreiche Stimme, die oft Branchen-Hype kritisiert und empirische Beweise über Spekulationen stellt.
Persönliches Leben und öffentliche Persona
Carmack ist bekannt für seine intensive Konzentration und diskutiert seine Arbeit häufig in öffentlichen Foren.
=== Persönliches Leben ===
Carmack heiratete 2000 Katherine Anna Kang, eine ehemalige Mitarbeiterin von id Software, die das Spiel doom-rpg entwickelte. Er hat zwei Kinder. Er hat sich offen zu seinem Atheismus und seinem Interesse an Wissenschaft und Technologie geäußert. 2022 spendete Carmack an die Dachorganisation für KI-Sicherheitsforschung. Er bleibt ein Befürworter offener Wissenschaft und hat seine Forschung zu rekurrenten neuronalen Netzen und anderen KI-Themen geteilt.
In seiner Freizeit wandert Carmack gerne und hat mehrere Fernwanderwege absolviert. Er war auch im Wettkampf-Rocket-League? Nein, das ist nicht korrekt. Er ist lizenzierter Pilot und hat Kunstflugzeuge geflogen. Seine öffentliche Persona ist die eines engagierten Ingenieurs, der finanzielle Belohnungen oft zugunsten intellektueller Neugier herunterspielt.
Anerkennung und Auszeichnungen
Carmack hat zahlreiche Ehrungen erhalten, darunter die Aufnahme in die Hall of Fame der Academy of Interactive Arts & Sciences im Jahr 2001. Er erhielt 2010 den Technology & Engineering Emmy Award für seine Arbeit an 3D-Grafik. Er wurde auch mit dem Game Developers Choice Award für sein Lebenswerk geehrt. 2016 erhielt er die BAFTA Fellowship für seine Beiträge zu Videospielen und Technologie.
Im Jahr 2020 wurde Carmack zum Fellow der International Game Developers Association ernannt. Er wurde auch für seine Beiträge zur KI-Forschung anerkannt, obwohl spezifische Auszeichnungen weniger formalisiert sind. Seine Arbeiten und Vorträge über KI werden in akademischen Kreisen häufig zitiert, und er ist ein häufiger Keynote-Sprecher auf Konferenzen.