Jaron Zepel Lanier (* 3. Mai 1960) ist ein US-amerikanischer Informatiker, Futurist und Komponist. Er gilt weithin als Begründer des Gebiets der virtuellen Realität, da er VPL Research, Inc. mitgründete, das erste Unternehmen, das VR-Brillen und Datenhandschuhe verkaufte. Lanier hat außerdem durch seine kritischen Essays und Bücher zum Diskurs über künstliche Intelligenz beigetragen und arbeitet seit 2009 als interdisziplinärer Wissenschaftler bei Microsoft Research.
Laniers Karriere umfasst Technologie, Musik und Philosophie. Er hat zeitgenössische klassische Musik komponiert, seltene Instrumente gesammelt und einflussreiche Kritiken an Online-Kollektivismus und der Entwicklung des maschinellen Lernens verfasst. Seine Arbeit hat ihm Anerkennung als einer der führenden öffentlichen Intellektuellen und Weltdenker eingebracht.
Frühes Leben und Ausbildung
Lanier wurde in New York City geboren und wuchs in Mesilla, New Mexico, auf. Seine Mutter, eine Überlebende des Nazi-Konzentrationslagers aus Wien, starb bei einem Autounfall, als er neun Jahre alt war. Er lebte eine Zeit lang mit seinem Vater in Zelten, bevor er über sieben Jahre hinweg half, ein geodätisches Kuppelhaus zu entwerfen und zu bauen.
Im Alter von 13 Jahren überzeugte Lanier die New Mexico State University (NMSU), ihn einzuschreiben. Er belegte Graduiertenkurse und erhielt ein Stipendium der National Science Foundation zur Erforschung mathematischer Notation, was ihn dazu führte, Computerprogrammierung zu lernen. Von 1979 bis 1980 konzentrierte sich sein NSF-finanziertes Projekt auf "digitale grafische Simulationen für das Lernen". Er besuchte auch eine Kunstschule in New York, kehrte jedoch nach New Mexico zurück, wo er als Assistent einer Hebamme arbeitete.
Atari Labs und VPL Research (1983–1990)
Lanier entwickelte ein Spiel namens Moon Dust für den Commodore, was zu einer Anstellung bei Atari führte. In Kalifornien traf er Thomas Zimmerman, den Erfinder des Datenhandschuhs. Nachdem Atari 1984 in zwei Unternehmen aufgeteilt wurde, war Lanier arbeitslos, was ihm Zeit gab, eigene Projekte zu entwickeln, darunter VPL, eine "postsymbolische" visuelle Programmiersprache.
Zusammen mit Zimmerman gründete Lanier VPL Research, das sich auf die Kommerzialisierung von Virtual-Reality-Technologien konzentrierte. Das Unternehmen hatte eine Zeit lang Erfolg, meldete jedoch 1990 Insolvenz an. 1999 kaufte Sun Microsystems die Patente von VPL für virtuelle Realität und Grafik. Laniers Ideen über Programmiersprachen, Musik und Informationen werden in dem Buch Programmers at Work beschrieben, das 1986 von Microsoft Press veröffentlicht wurde.
Internet2 und Gastwissenschaftler (1997–2001)
Von 1997 bis 2001 war Lanier Chefwissenschaftler von Advanced Network and Services, das das Ingenieurbüro von Internet2 enthielt. Er leitete auch die 'National Tele-immersion Initiative', ein Bündnis von Forschungsuniversitäten, die fortgeschrittene Anwendungen für Internet2 untersuchten. Die Initiative demonstrierte 2000 nach dreijähriger Entwicklung die ersten Prototypen der Tele-Immersion.
Von 2001 bis 2004 war er Gastwissenschaftler bei Silicon Graphics Inc., wo er Lösungen für zentrale Probleme der Telepräsenz und Tele-Immersion entwickelte. Er hatte auch Gastpositionen an der Columbia University und im Interactive Telecommunications Program der New York University inne und war Gründungsmitglied des International Institute for Evolution and the Brain.
Musik und Instrumente
Lanier hat zeitgenössische klassische Musik komponiert und ist Sammler seltener Instrumente, von denen er ein bis zwei Tausend besitzt. Sein akustisches Album Instruments of Change (1994) enthält asiatische Blas- und Saiteninstrumente wie die Khene-Mundorgel, die Suling-Flöte und die Sitar-ähnliche Esraj. Er arbeitete mit Mario Grigorov zusammen, um den Soundtrack für den Dokumentarfilm The Third Wave (2007) zu komponieren.
Kritik am digitalen Kollektivismus und KI
In "One-Half of a Manifesto" (2000) kritisierte Lanier Behauptungen von Autoren wie Ray Kurzweil und lehnte den "kybernetischen Totalismus" ab, die Idee, dass Computer ultra-intelligente Meister von Materie und Leben werden könnten. Er argumentierte, dass Menschen nicht als biologische Computer betrachtet werden sollten und dass die Produktivität in der Softwareentwicklung nur geringfügig steige, was das Tempo des technologischen Fortschritts begrenze.
In seiner Kolumne in der Zeitschrift Discover vom April 2006 spekulierte Lanier über "postsymbolische Kommunikation", wobei er sich auf die Fähigkeit von Kopffüßern bezog, ihre Körper zu verändern und Gedanken direkt durch Verhalten auszudrücken. Er sah darin ein Modell für Kommunikation jenseits symbolischer Sprache.
Im Mai 2006 veröffentlichte Lanier "Digital Maoism: The Hazards of the New Online Collectivism" im Edge-Magazin, in dem er die behauptete Allwissenheit kollektiver Weisheit, einschließlich Wikipedia, kritisierte. Er warnte davor, individuelle Schöpfer abzuwerten und durch algorithmische oder kollektive Systeme falsche Autorität zu schaffen. Seine Kritik zielte auf jeden Versuch, einen einzigen autoritativen Engpass für Wissen zu schaffen, das daraus resultierende falsche Gefühl von Autorität und den sterilen Stil des Wiki-Schreibens, der die Handschrift der ursprünglichen Autoren entfernt.
Spätere Karriere und Anerkennung
2006 begann Lanier bei Microsoft zu arbeiten, und seit 2009 ist er als interdisziplinärer Wissenschaftler bei Microsoft Research tätig. Er hat weiterhin über die sozialen Auswirkungen von generativer KI und Technologien großer Sprachmodelle geschrieben und gesprochen, wobei er oft die Bedeutung menschlicher Würde und wirtschaftlicher Fairness betont.
Lanier hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten: 2005 ernannte ihn Foreign Policy zu einem der 100 führenden öffentlichen Intellektuellen; 2010 wurde er in die TIME-100-Liste der einflussreichsten Menschen aufgenommen; 2014 ernannte ihn Prospect zu einem der 50 führenden Weltdenker; und 2018 nannte ihn Wired einen der 25 einflussreichsten Menschen in der Technologiegeschichte.
Persönliches Leben
Lanier und seine Frau Lena haben eine Tochter. Er lebt und arbeitet weiterhin in den Vereinigten Staaten.