Die Carlyle Group Inc. ist ein US-amerikanisches multinationales Finanzdienstleistungsunternehmen, das sich auf Private Equity, alternatives Asset Management und private Kredite spezialisiert hat. Bis 2023 verwaltete das Unternehmen Vermögenswerte in Höhe von 426 Milliarden US-Dollar und zählt damit zu den größten Investmentfirmen der Welt. Carlyle hat eine Geschichte großer Leveraged Buyouts und hat sich in jüngster Zeit auf Technologie- und Künstliche-Intelligenz-Investitionen konzentriert.
Carlyle wurde 1987 in Washington, D.C. gegründet und ist weltweit tätig, mit fast 2.200 Mitarbeitern in 28 Büros auf vier Kontinenten (Stand: Dezember 2023). Das Unternehmen ging im Mai 2012 an die NASDAQ und nahm bei seinem Börsengang 700 Millionen US-Dollar ein.
Gründung und frühe Geschichte
Carlyle wurde 1987 als Boutique-Investmentbank von fünf Partnern gegründet: William E. Conway Jr., Stephen L. Norris, David Rubenstein, Daniel A. D'Aniello und Greg Rosenbaum. Der Name wurde vom Carlyle Hotel in New York City inspiriert, wo Norris und Rubenstein das Vorhaben planten. Rubenstein hatte in der Carter-Administration gedient, während Norris und D'Aniello von der Marriott Corporation kamen und Conway von MCI Communications. Die anfängliche Finanzierung von 5 Millionen US-Dollar stammte von T. Rowe Price, Alex. Brown & Sons, First Interstate Equities und der Familie Richard King Mellon.
In den frühen Jahren sammelte Carlyle Kapital von Deal zu Deal, einschließlich eines gescheiterten Angebots für Chi-Chi's. Der erste dedizierte Buyout-Fonds sammelte 1990 100 Millionen US-Dollar ein. Das Unternehmen erlangte Bekanntheit durch Übernahmen in der Verteidigungsindustrie, wie den Kauf der Elektroniksparte von General Dynamics (umbenannt in GDE Systems) im Jahr 1992 und die Übernahme von Magnavox Electronic Systems im Jahr 1993. 1997 erwarb Carlyle United Defense Industries für 850 Millionen US-Dollar, die damals größte Investition des Unternehmens, und brachte das Unternehmen 2001 an die Börse.
Wachstum und große Buyouts in den 2000er Jahren
Carlyles Investorenkonferenz 2001 fiel mit den Anschlägen vom 11. September zusammen und zog Kritik auf sich, als Berichte die Bin-Laden-Familie mit Investitionen in Carlyle-Fonds in Verbindung brachten. Die Familie hatte 1995 2 Millionen US-Dollar in Carlyle Partners II investiert; sie liquidierten ihre Beteiligungen im Oktober 2001. Diese Verbindung wurde später in Michael Moores Dokumentarfilm Fahrenheit 9/11 thematisiert.
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase führte Carlyle 2002-2003 einen 7,5 Milliarden US-Dollar schweren Buyout von QwestDex durch, einen der größten Unternehmensübernahmen seit 1989. 2003 wurde Lou Gerstner, ehemaliger IBM-Vorsitzender, Vorsitzender von Carlyle, mit dem Ziel, das Image des Unternehmens von politischen Verbindungen zu lösen. Unter seiner Führung verfügte Carlyle über 13,9 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten und erzielte annualisierte Renditen von 36 %.
Carlyle setzte mit großen Deals fort: die Übernahme von Hawaiian Telcom für 1,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2004 (das später 2008 Insolvenz anmeldete), der Buyout von Hertz für 15 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 und die Übernahme von Kinder Morgan für 27,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006. Im September 2006 führte Carlyle ein Konsortium zur Übernahme von Freescale Semiconductor für 17,6 Milliarden US-Dollar an, damals der größte Technologie-Buyout aller Zeiten.
Jüngste Entwicklungen und KI-Investitionen
In den letzten Jahren hat Carlyle den Fokus auf Technologie und generative KI verlagert. Das Unternehmen hat in Unternehmen investiert, die große Sprachmodelle und maschinelles Lernen-Infrastruktur entwickeln. Zu den bemerkenswerten Portfoliounternehmen gehören AI21 Labs, ein generatives KI-Startup, und Inflection AI, das konversationelle KI-Systeme entwickelt. Carlyle hat auch Sanctuary AI unterstützt, ein Unternehmen, das humanoide Roboter entwickelt, die von Deep-Learning-Algorithmen angetrieben werden.
Die Private-Equity-Sparte von Carlyle hat sich auf Künstliche-Intelligenz-Anwendungen im Gesundheitswesen und Finanzwesen konzentriert und Partnerschaften mit Unternehmen wie Commure und Omniscient geschlossen. Die Investitionen des Unternehmens umfassen neuronale-Netzwerke-Hardware-Startups und Cloud-Computing-Dienste, die KI-Workloads unterstützen.
Börsengang und finanzielle Leistung
Carlyle schloss seinen Börsengang am 3. Mai 2012 ab und handelt an der NASDAQ unter dem Tickersymbol 'CG'. Das Angebot brachte 700 Millionen US-Dollar ein und bewertete das Unternehmen mit über 7 Milliarden US-Dollar. Seitdem hat Carlyle seine verwalteten Vermögenswerte von 153 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 auf 426 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 ausgeweitet, angetrieben durch Wachstum bei privaten Krediten und realen Vermögenswerten.
Laut dem PEI-300-Index von Private Equity International belegte Carlyle von 2010 bis 2015 den ersten Platz unter den Private-Equity-Firmen nach eingeworbenem Kapital. Bis Juni 2024 belegte das Unternehmen den sechsten Platz weltweit, was die wettbewerbsintensive Landschaft widerspiegelt.
Führung und Governance
Die Gründungspartner von Carlyle - Rubenstein, Conway und D'Aniello - blieben jahrzehntelang aktiv. 2018 wechselte das Unternehmen zu einer Co-CEO-Struktur mit Kewsong Lee und Glenn Youngkin, obwohl Youngkin 2020 ging, um für das Amt des Gouverneurs von Virginia zu kandidieren. Lee verließ das Unternehmen 2022, und Harvey Schwartz wurde 2023 CEO. Der Vorstand des Unternehmens umfasst prominente Persönlichkeiten aus Finanzwelt und Regierung.
Carlyle wurde wegen politischer Verbindungen kritisiert, hat aber seine Führung und Investitionsstrategie diversifiziert. Der Fokus des Unternehmens auf Künstliche Intelligenz spiegelt einen breiteren Trend unter Private-Equity-Firmen wider, technologische Innovation zu nutzen.