Aus dem Englischen übersetzt

Aimee van Wynsberghe ist eine kanadische Ethikerin und Alexander-von-Humboldt-Professorin für Angewandte Ethik der Künstlichen Intelligenz an der Universität Bonn, bekannt für ihre Arbeit zu verantwortungsvoller Robotik und KI-Ethik.

Aimee van Wynsberghe ist eine kanadische Ethikerin, die sich auf die Ethik der Robotik und künstlichen Intelligenz spezialisiert hat. Sie innehat die Alexander-von-Humboldt-Professur für Angewandte Ethik der Künstlichen Intelligenz an der Universität Bonn in Deutschland, wo sie auch das Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE) leitet und das Bonn Sustainable AI Lab gründete. Van Wynsberghe ist Präsidentin der Foundation for Responsible Robotics, einer Organisation, die sie 2015 mitbegründete, um ethisches Design und die Produktion von Robotern zu fördern. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung ethischer Rahmenwerke für Pflegeroboter und auf die Förderung einer nachhaltigen und verantwortungsvollen KI-Entwicklung.

Ausbildung und frühe Karriere

Geboren in London, Ontario, erwarb van Wynsberghe einen Bachelor-Abschluss in Zellbiologie an der University of Western Ontario. Anschließend absolvierte sie ein Graduiertenstudium in Europa und erhielt zwei Master-Abschlüsse in Angewandter Ethik und Bioethik von der KU Leuven in Belgien sowie über das Erasmus-Mundus-Programm der Europäischen Union. 2012 promovierte sie an der Universität Twente in den Niederlanden; ihre Dissertation schlug ein ethisches Rahmenwerk für den Einsatz von Pflegerobotern in der Medizin vor und wurde für den Georges-Girard-Preis für die beste Doktorarbeit in Robotik nominiert.

Van Wynsberghe begann 2004 als Forschungsassistentin bei CSTAR (Canadian Surgical Technologies and Advance Robotics) in der Robotik zu arbeiten. Von 2014 bis 2017 war sie Assistenzprofessorin an der Universität Twente mit Schwerpunkt Roboterethik. Danach wurde sie außerordentliche Professorin für Ethik und Technologie an der Technischen Universität Delft, bevor sie 2020 als erste Frau eine Alexander-von-Humboldt-Professur für Angewandte Ethik der Künstlichen Intelligenz erhielt. Diese Ernennung führte sie an die Universität Bonn, wo sie die Leitung des Instituts für Wissenschaft und Ethik übernahm und das Bonn Sustainable AI Lab gründete.

Foundation for Responsible Robotics

2015 gründeten van Wynsberghe und Noel Sharkey die Foundation for Responsible Robotics (FRR), eine gemeinnützige, nichtstaatliche Organisation, die sich für ethisches Design und die Produktion von Robotern einsetzt. Die Gründer verwiesen auf die dringende Notwendigkeit einer größeren Rechenschaftspflicht und Aufmerksamkeit für Ethik im Robotikdesign, insbesondere bei automatisierten Arbeitsplätzen. Als Präsidentin der FRR organisiert van Wynsberghe Multi-Stakeholder-Workshops, verfasst und verbreitet Konsultationsdokumente und Berichte, etabliert öffentlich-private Partnerschaften und wendet sich an legislative Gremien innerhalb der Europäischen Union.

Akademische Beiträge

Van Wynsberghes Forschung wird häufig zitiert; laut Google Scholar hat ihre Arbeit über 3.800 Zitationen und einen h-Index von 26. Sie verfasste das Buch Healthcare Robots: Ethics, Design and Implementation aus dem Jahr 2016, das die aktuelle und zukünftige Rolle von Robotern im Gesundheitswesen untersucht und argumentiert, dass ethische Richtlinien für deren Einsatz verbindlich sein sollten. Ihre Arbeit verbindet Ethik der künstlichen Intelligenz, Anwendungen des maschinellen Lernens und Robotikpolitik und betont oft die Notwendigkeit nachhaltiger KI-Praktiken.

Auszeichnungen und Ehrungen

Van Wynsberghe hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten. 2015 wurde ihr ein NWO-Veni-Personenforschungsstipendium zur Untersuchung des ethischen Designs von Pflegerobotern verliehen. 2017 erschien sie auf der Liste "25 Women in Robotics You Need to Know About" von Robohub. Im folgenden Jahr wurde sie in die Liste "100 AI Influencers Worth Following" der British Interactive Media Association aufgenommen und erhielt das niederländische L'Oréal-UNESCO-Stipendium "For Women in Science". 2020 wurde ihr die Alexander-von-Humboldt-Professur verliehen. Seit 2022 ist sie Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz und sitzt im Beirat der Konrad-Zuse-Schulen für Exzellenz in der Künstlichen Intelligenz (DAAD). Ihr Projekt "Desirable Digitalisation. Rethinking AI for Just and Sustainable Futures" wird in Zusammenarbeit mit der Universität Cambridge von der Stiftung Mercator mit 3,8 Millionen Euro gefördert.

Medien und öffentliches Engagement

Van Wynsberghe wurde in verschiedenen Medien vorgestellt. Im Januar 2018 wurde sie für einen Artikel des Raddington Report mit dem Titel "Robot Ethics, Robot Equality" interviewt. Im Juni 2018 trat sie in der BBC-Sendung Today auf und wurde von Seth Adler beim Artificial Intelligence & Intelligent Automation Network interviewt. Sie hat auf großen internationalen Veranstaltungen gesprochen, darunter dem Web Summit, dem Global Investment Forum der Europäischen Investitionsbank, dem Global Summit von AI for Good und dem Innovation Summit des Economist. 2017 wurde sie für die VPRO-Dokumentation Robo Sapiens interviewt, die die Zukunft der Menschheit mit Robotern erkundet. 2019 diskutierte sie mit Forbes die Herausforderungen, ethische Rahmenwerke in KI-Systeme zu integrieren; Forbes führte sie später in seiner Liste von 2020 über Frauen, die die KI-Bewegung des 21. Jahrhunderts anführen.

Einsatz für nachhaltige KI

Van Wynsberghe ist eine prominente Verfechterin nachhaltiger KI, eines Konzepts, das die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der KI-Entwicklung berücksichtigt. Sie veranstaltet alle zwei Jahre die Sustainable AI Conference in Bonn, die Forscher, politische Entscheidungsträger und Branchenführer zusammenbringt, um zu diskutieren, wie KI verantwortungsvoll entwickelt werden kann. Ihre Arbeit betont, dass KI-Ethik über abstrakte Prinzipien hinausgehen muss, um konkrete Probleme wie Energieverbrauch, Ressourcennutzung und langfristiges gesellschaftliches Wohlbefinden anzugehen.

Mitgliedschaften und beratende Rollen

Van Wynsberghe ist in mehreren Gremien und Ausschüssen tätig, die sich auf Technologieethik konzentrieren. Sie wurde in die Hochrangige Expertengruppe für Künstliche Intelligenz der Europäischen Kommission (AI HLG) berufen und ist im Vorstand des Institute for Accountability in the Digital Age sowie der Niederländischen Allianz für KI (ALLAI Netherlands). Sie sitzt auch im Beirat des AI & Intelligent Automation Network. Durch diese Rollen trägt sie zur Gestaltung der KI-Politik auf nationaler und internationaler Ebene bei und arbeitet oft mit Organisationen wie OpenAI und Google DeepMind an ethischen Richtlinien zusammen.

Vermächtnis und Einfluss

Van Wynsberghes Arbeit hat das Feld der KI-Ethik erheblich beeinflusst, insbesondere im Kontext der Gesundheitsrobotik und nachhaltiger KI. Ihr interdisziplinärer Ansatz, der Biologie, Philosophie und Technologie verbindet, hat dazu beigetragen, Ethik als Kernüberlegung in der KI-Entwicklung zu etablieren. Als führende weibliche Figur in einem überwiegend männlichen Feld hat sie auch viele Frauen inspiriert, Karrieren in KI und Robotik zu verfolgen. Ihre laufende Forschung und ihr Engagement prägen weiterhin, wie KI weltweit entworfen, eingesetzt und reguliert wird.

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